Dr. med. Hartmut Jatzko

Arztfür Innere Med./Psychiatrie, Psychotherapie

Görzbornstr.3; 67706 Krickenbach

Krickenbach, den 31.12.2014

 

Bericht über meine Eindrücke/Erlebnisse unserer Reise nach Thailand vom  

21. bis 29. Dezember 2014

zur Gestaltung des 10. Jahrestages der Tsunami-Katastrophe vom 26.12.2004 in Thailand/Khao Lak

des Gemeinschaftsprojektes „Hoffen bis zuletzt“ der Notfallseelsorge im Rheinland mitdem Deutschen Roten Kreuz

 

Nach unserem letzten Vorbereitungstreffen am 23.10.2014 im Landespfarramt in Bonn trafen wir uns am 21.12.14 im Flughafen Frankfurt a.M. um 10 Uhr. In der Flughafenkapelle verabschiedete uns der Notfallseelsorger  A M. Er gab uns ein kleines Kaleidoskop um nun bald in Thailand die bunte Natur zu sehen, nach den trüben farblosen Herbsttagen in Deutschland.

Zum Team gehörten J U, Ch Sch, Dr. U R, H A und  Dr. Hartmut Jatzko.

 

21.12. 2014:

Abflugum 14.10 Uhr mit der Thai Airways International Boing A 380 von Frankfurt a.M.nach Bangkok. Ich filmte den langgezogenen Abflug der riesigen Maschine mit über 500 Passagieren.

Ankunft am 22.12. um 6.20 Uhr. Bei der Zollkontrolle nahm ich den DRK-Kasten in Empfang. Unsere 4 waren schon durchdie Kontrolle, da kam der thail. Zollbeamte und bat den Kasten zu öffnen. Ich bemerkte, dass das Hängeschloss zugeschlossen war. Ich rief nach Ch, aber die waren alle schon weg. Der Beamte hatte Nachsicht, als er das DRK-Emblem mit meinem Namen verknüpfte und Dr.med. im Ausweis sah: „Doktor o.k.“ und winkte mich durch.

Um 9.40 Uhr ging es weiter mit einer Maschine nach Phuket, Ankunft um 11 Uhr.

Kandit erwartete uns schon. Großer Andrang. Der nette Fahrer fand beim Abflugareal einen Haltepunkt für den Van.

Ab in unser Resort Hotel „The Leaf on The Sands“, 40 Phetkasem Road Khuekkhak,Takua Pa Distrikt Phang-Nga 82190, früher Andaburi Resort, wo wir schon früher waren.

K B kam. Herzliche Begrüßung.

Nach gutem Mittagessen, Nudeln mit Krabben, im Resort fuhren wir zum Similana Resort, welche auf einer Anhöhe liegt und dort oben nicht betroffen war. Viele Gäste, welche damals gerade am Strand waren, konnten es nicht mehr nach oben schaffen. Das Resort ist völlig verlassen und verfällt. U verliert ein Brillenglas, Suche ohne Erfolg.

Dann erster Kontakt  mit der sehr netten kleinen Managerin Frau P im „Apsara Beach Resort u. Spa“ um den Platz für die Gedenkfeier für den 26.12 zu planen.

 

23.12. 2014:

Nach dem Frühstück und dem Morgentheam: Ch bringt einen Morgenimpuls von Herrn v. Hirschhausen.„Der andere Advent“. Dann fahren wir um 9 Uhr nach „BAAN NAM KEM Tsunami Memorial Park“. 20 neue Plaketten sind angebracht, andere sind nicht mehr erkennbar. Plaketten fotografiert. Beeindruckend eine Thaigruppe Frauen mit Kindern,welche Blumen und Bilder von 2 getöteten Kindern und Saughäkchen anbringen. Eine ältere Frau hatte sich mit gelber Farbe das Gesicht geschminkt. Drumherum werden schon viele Stände und ein Karussell aufgebaut. Danach zum „Tsunami Victim Cemeteri Memorial“, wo gerade eine neue Wand für Bilder errichtet wurde. An den anderen glatten, schwarz-polierten Wänden waren die Bilder entfernt. Im Ausstellungsraum nur einzelne Fotos vom Obduktionsbereich. Wir fahren noch kurz zum Memorial mit den 2 angeschwemmten Fischerschiffen.

Uwe hielt eine kleine Andacht am Chedi des getöteten Ehemannes R B im WatKhuk Khak, in unmittelbarer Nähe der 2 Krematorien.

 

Danach geht es wieder ins Apsara zum Meeting und wir essen.

 

In unsrem Resort kommt Herr St K-H, Intern. DRK hinzu. Freundliche Aufnahme und Eingliederung in unser Team.

Um14 Uhr hat U eine Pressekonferenz.

Um16.30 bis 18.30 in unserem Hotel ein Informations- und Begegnungstreffen und Absprachen für die nächsten Tage. Es kamen 47 Betroffene. Eintrag in Listen für den Gottesdienst am Heiligabend. Imbiss, Kaffee oder Tee.

 

24.12. Heiligabend

Unser Resort wird sehr bunt geschmückt. Pappkulisse mit burgähnlichen Ständern, Palmen tragen Lichtbänder usw. Nach dem Frühstück um 8. 45 Uhr unser Morgentheam, dannnach Falten der Liedblätter und Ausprobieren der Tonanlage, fahren wir von 9.30 bis 14.oo Uhr mit dem Bus und Betroffenen nach BAAN NAM KEM, anschließend zum Police-Boot, wo noch viel gearbeitet wurde. Autofracks in Verschüttung wurden hingesetzt.

 

Um16.oo Uhr Meeting vor dem Heiligabend-Gottesdienst im Andaburi-Saal. Es kamenmehr als 40 Teilnehmer zum Gottesdienst. Anschließend Abendessen beim „tropischen Abend“mit viel Musik, Zauberern und Tombola. Unsere kleine süße F (3)  (U und ich wurden von ihr als Freunde/Opa auserkoren) gewann ein Kitty-Kätzchen,welche sie durch Bitten einer anderen Frau in einen großen kuscheligen Affen eintauschte. Wie soll dieser nach Deutschland mitgenommen werden? - Ein schöner  lauschiger Abend mit gutem Buffet.

 

25.12.

Nachdem Frühstück und unserem Morgenimpuls haben wir um 10.00 Uhr eine Weihnachtsandacht mit 27 Betroffenen. Dann individuelle Begleitungen. 2 ältere Schwäbinnen  und ich werden ans Ende von Khao Lak zum Sun Set Resort gefahren, dann gehen wir ganz langsam am Strand die ca. 3 km zu unserem „The Leaf The Sunds“ zurück. Dabei können wir über denVerlust ihrer Männer an diesen Resorts, aber auch andere Themen sprechen. Dazwischen 1 Espresso in einem Resort. Viele Fotos der meist neu errichteten Resorts. R geleitet uns in unser Resort.

 

Abends wieder zum Apsara mit Besichtigung des Zeltaufbaus und Anbringung des Transparentes. Essen im Apsara. Nach der Heimkehr in unser Hotel empfehle ich keinen sog. Absacker zu nehmen, da der nächste Tag wohl sehr stressig werden wird. Es wird befolgt.

 

26.12.

Beim Morgentreffen Gratulation zu U Geburtstag.

Nach dem Frühstück mit 3 Vans zum „Deutschsprachigen Gedenken" am Strand des Apsara Resorts, 45 Moo 2 Kukkak, Khao Lak, 82190.

Eintreffender der Teilnehmer ab 9.30 Uhr, Beginn um 10 Uhr.

Während der Feier mit ca. 120 Betroffenen und Regierungsvertretern von der Schweiz (Chr Sch), einer Honorarkonsulin, von Österreich (Mag.St H) und von Deutschland ( R Sch) betreue ich die Kinder.

Wir finden zufällig einen Pool unter dessen Dusche die Kinder F (3) und T (1½) ausgelassen mit der Dusche und dem unteren Wasserablauf spielen konnten. Das Wasser war warm, die Sonne war bedeckt. Anfangs musste F immer mal an der Treppe nachsehen, ich hinter her, ob Mamma und Papa noch unter dem Zelt der Gedenkfeier sind. Dann vergingen die 1 ½ Stunden problemlos.

Anschließend im Apsara ein reichliches Buffet.

 

Danach nnoch einmal mit dem Bus Nr. 2 nach BAAN NAM KEM. Hier auch ein Wiedersehen mit  Herrn Fr Sch, Group Representative for Thailand and Malaysia von Thyssen Krupp. (Fotos mit uns zwei schicke ich ihm und erwähne das gut stimmige Monument). Er bemerkte, dass leider von der Firma keine weiteren Gelder zur Renovierung zur Verfügung stehen.

Angehörige stecken  ihre Blumen an die kleinen Gedenktafeln. Sehr eindrucksvoll. Dann eine Andacht links von der riesigen goldenen Buddha-Statue vor dem Strand am Ende des Memorials. Der katholische Priester von Bangkok, Pfr. J D, die Evangel. Pfarrerin A H-H sowie der evangel. Pfarrer hielten eine Andacht..

Wir fahren pünktlich um 15 Uhr zur großen Gedenkfeier am Police Boot. Gewaltiges Aufgebot von Militär und Ordnern. Mit einer roten Markierung können wir uns auf die rotmarkierten Stühle setzen. Alle Militär-Gattungen patroulierten mehrmals vor dem Boot. Viele TV-Kameras aus aller Welt. 2 große Public viewing- Bildschirme lassen das Geschehen auf dem Podium gut verfolgen. Eine Kapelle spielte, um die längere Wartezeit bis zur Ankunft des Ministerpräsidenten zu überbrücken, mehrere Filmmusiken und Caféhaus- Melodien. Verschiedene Vertreter der betroffenen Nationen (es waren ja 38) berichteten, bevor dann der Ministerpräsident Thailands das Wort ergriff. Als U mit F (3) und noch 2 Mädchen (5 und 7) auf das Podium hinauf ging und eine kurze Ansprache und Grußworte unseres Bundespräsidenten Joachim Gauck hielt, begann das schon einige Zeit bedrohlich wirkende Wetter sich zu entladen. Die in einer Plastikhülle befindliche Regenschutzhülle und die Regenschirme wurden aufgezogen. Ich konnte U nur vom Bildschirm filmen. Dann entzündeten alle die ebenfalls in der Tüte befindlichen Plastik-Lotusblumen mit einer Kerze darin. Ein beeindruckendes Lichtermeer. Der Regen hörte bald auf.

Auf den Bildwänden konnten wir die Feuerwehrübungen verfolgen.

Tausende verließen die Gedenkstätte. Beim Hinausgehen bekam Feline noch von Polizisten eine Schale mit Essen, einen Donat und eine Wasserflasche, welche ich dann den Eltern Sandra und Engelbert geben konnte. Unser Fahrer fand eine Lücke, wo wir rasch ins Auto springen konnten, um die 2 km in unser Resort zufahren. Zu Fuß wäre es in der Dunkelheit und ohne Bürgersteig zu gefährlich gewesen.

 

27.12.

AmVormittag konnten wir einige Geschenke kaufen. Kandit brachte mir 2 gelbe Königsfähnchen mit, welche zu Tausenden an allen Straßenrändern und Häusern zum Gedenken an den Tsunami, wo ja auch der Enkelsohn (18) des Königs umkam, angebracht waren. Er gab sie mir zum Abschied im Fischereihafen-Restaurant.

Um 10,00 Uhr Angehörigen-Treffen mit 8 International Disaster Volunteers im Andaburi-Saal., darunter A Ch und A B, Executive Direktor C.

 

U fuhr mit Ben zur Spurensuche in die Nähe des früheren Similan-Resorts. Ben berichtet eindrucksvoll, wie er am 26.12.2004 von der Welle ins Land gespült wurde. Dabei zog er sich schwere Verletzungen am rechten Bein mit Weichteilwunden und einer Teilabsprengung der rechten Ferse zu. Unter bald auftretenden höllischen Schmerzen schleppte er sich durch den plattgewalzten Dschungel und erschöpfte, sank zu Boden und wollte endgültig, den Tod vor Augen, aufgeben. Da lag vor ihm ein kleines lebendes Mädchen. Er begriff diese Botschaft. Er musste leben um dieses Mädchen zu retten und selbst weiter leben. Er meint ca. 5 km sich so durch den Dschungel geschleppt zu haben, bis er auf lebende Thailänder traf, welche die Beiden ins nahe gelegene kleine Krankenhaus brachten, anschießend nach dem Takuapa-Hospital.

 

Abends fahren wir dann zu einem Fischereihafen-Restaurant hinter Takuapa (Namkhem Pier?) zu einem guten Essen um noch U Geburtstag zu feiern ( er bekam eine bunte Badehose) und vom Einsatz Abschied zu nehmen.

 

Medizinischer Einsatz während unseres Aufenthaltes:

2x beginnender Durchfall mit Lopirin gestoppt. 1 grippaler Infekt bei einer Frau aus Österreich. 1 Fußverletzung, in Glasscherbe getreten, Braunol-Salbe aufgetragen, Empfehlung: in D. sofort zum Arzt.

2 Flashbacks: Als wir vor der Strand-Gedenkfeier aus dem Bus ausstiegen, übereine Wurzel zum Strand gelangten, bemerkten Frau Ma  und Frau S, dass das Meer in der Ebbe weit zurückgezogen war. Dieser Reizauslöser bewirkte eine Panikattacke mit Zittern, Schweißausbruch und sichtbarer Gänsehaut an den Armen und Beinen. Wir zählten von 100 rückwärts (99-98-97usw.) einige Sekunden und es ging weiter.

 

28.12.

Mit U verabredete ich mich wenigstens einmal im indischen Ozean zu schwimmen. Beide trafen wir uns um 7 Uhr am Strand. Das Wasser war herrlich warm und trug uns wie in einem Termalbad. Die Brandung war gut zu überwinden. Eine herrliche Entspannung, aber immer im Hintergrund die Katastrophe an diesem Ort.

 

Nach dem Frühstück dann um 10.30 Uhr Abfahrt nach Phuket. In der schon für den Winter in Deutschland angemessenen Kleidung ohne Mantel wurde es bei + 32 Grad sehr warm. Kandit fuhr mit uns auf den Buddha-Hügel mit schöner Aussicht auf Phuket.  Gigantisch diese Anlage und der religiöse Kult, die andächtigen Menschen. In Phuket schlenderten wir über den Straßenmarkt und kauften für die letzten BAT ein.

 

Nach einem Abschiedsessen mit Kandit im Flughafenrestaurant gingen wir  um 20.35 Uhr zum Flugzeug. Problemlose Kontrollen. Auch in Bangkok keine Probleme. Abflug mit Thai Air um 23.40 Uhr nach Frankfurt. Flugzeit 11 ½ Stunden.  

 

Sabadi Cap: Guten Tag = zu männlicher Person

Sabadi Car:  Guten Tag = zu weiblicher Person.

 

Ich danke Euch ganz herzlich, dass ich, geb. am 18.12.1938, in Euer Team aufgenommen wurde und so reiche Erfahrungen machen konnte.

 

Euer Hartmut